Ältester Tätowierer der Welt gestorben

Über 60 Jahre lang schmückte er die eigene und fremde Haut. Am 30. Juni 2010 ist Tattoolegende Herbert Hoffmann in Appenzell gestorben.

Nach und nach wurde mein Körper zu einem richtigen Bilderbuch. Zu meinem siebzigsten Geburtstag liess ich mir beide Hände bis zu den Fingerspitzen ganz voll tätowieren», erzählte Hoffmann Ende 2009 der Nachrichtenagentur SDA.

20min-herbert-heute Herbert Hoffmann heute.(Bild: AP Photo)

20min-herberts-tattooladenHoffmanns Tätowierladen in Hamburg.


Von St. Pauli nach Appenzell

Mitte der Achtzigerjahre beschloss Hoffmann, in Pension zu gehen. Ohne Wehmut liess er das wilde St. Pauli hinter sich und zog in ein kleines Häuschen im ausserrhodischen Heiden, das er von einem Freund geerbt hatte.

Untätig war Hoffmann nie. Neben einer 350-seitigen Familienchronik veröffentlichte er unter anderem den Fotoband «Bilderbuch-Menschen. Tätowierte Passionen 1878-1952». Hoffmann hielt darin nicht nur ein faszinierendes Kaleidoskop bunter Haut, sondern auch ein wichtiges Stück Tätowier-Geschichte fest.

Der Gründer der ältesten Tätowierstube Deutschlands legte bis zu seinem Tod immer noch selbst Hand an. November 2009 fand in einem St. Galler Tattoo-Studio der erste «Anker-Tag» statt. Der Besitzer des Studios stach die Hoffmann-Anker. Herbert Hoffmann selbst setzte mit der Nadel seine Signatur unter sein Markenzeichen.

Zuerst war das Seefahrermotiv

In seiner Kindheit war Herbert Hoffmann fasziniert von den Tätowierungen der Tagelöhner, Strassenfeger, Müllkutscher, Zirkusleute und Seemänner. «Ich fühlte mich immer zu den einfachen Menschen hingezogen; in ihnen suchte ich meine Vorbilder», sagt Hoffmann.

1919 als Sohn eines Fleischermeisters geboren, wuchs Herbert Hoffmann behütet in einer kinderreichen und streng puritanischen Familie in Berlin-Charlottenburg auf. Dem Kaufmannslehrling Hoffmann erging es wie vielen seiner Altersgenossen: Zuerst wurde er in den Reichsarbeitsdienst beordert, dann ins Militär eingezogen und schliesslich geriet er in russische Kriegsgefangenschaft.

Nach der vierjährigen Gefangenschaft beschloss er, seine tätowierten Vorbilder von früher zu suchen. Doch dieser Berufsstand war nach dem Krieg beinahe ausgestorben. 1949 kam Herbert Hoffmann zu seiner ersten Tätowierung. Er liess sich das Seefahrermotiv Glaube, Liebe, Hoffnung (Kreuz, Herz und Anker) auf die Innenseite seines linken Unterarms tätowieren.

Die Leidenschaft hatte ihn gepackt. Hoffmann reiste quer durch Europa und liess sich ein Kunstwerk nach dem anderen unter die Haut stechen. Das Tätowieren brachte er sich selbst bei, indem er Hunderte von Tätowierungen zu Übungszwecken unentgeltlich stach.

Beruferaten

Als Hoffmann 1960 in Düsseldorf den Antrag auf Erlaubnis zum Tätowiergewerbe stellte, wurde er mit der Begründung abgelehnt: «Das ist kein Beruf!». In der Freien Hansestadt Hamburg hatte er mehr Glück. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Jack Anker übernahm er in St. Pauli ein Studio.

«Die älteste Tätowierstube Deutschlands» erlangte weit über die Grenzen des Landes Berühmtheit. Der Tattoo-Shop wurde als Filmkulisse genutzt, Herbert Hoffmann zu Robert Lemkes «Heiterem Beruferaten» eingeladen und seine Lebensgeschichte im Film «Flammend' Herz» nacherzählt.

Quelle: http://www.20min.ch/people/schweiz/story/-ltester-Taetowierer-der-Welt-gestorben-26134868
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